Stützpunkt Feuerwehr Muttenz

Von der Gründungszeit zur heutigen Stützpunkt-Feuerwehr Muttenz

Die engbebaute Siedlungsform gegen Ende des 19. Jahrhunderts der Gemeinde Muttenz, die Art der Gebäudekonstruktionen, mangelnde feuerpolizeiliche Vorschriften und vor allem die grosse Brandbelastung der Bauernhäuser mit ihren Futtervorräten waren Ursache grösster Brandrisiken, denen kaum gleichgewichtige Bekämpfungsmittel gegenüberstanden. Es ist deshalb nicht verwunderlich, wenn es sich bei Bränden meist um Grossfeuer handelte und die Schadenobjekte vielfach samt Hab und Gut bis auf die Grundmauern niederbrannten. Furcht und Angst vor Feuer und Not waren deshalb ständige Begleiter der Bevölkerung von Muttenz bei ihren Tagesabläufen.

Erstmals wurde an der Gemeindeversammlung vom 20. August 1876 über die Einführung einer neu geregelten Ordnung im Feuerwesen gesprochen, jedoch mit der Ablehnung zur Gründung eines Pompier-Corps. Zu dieser Zeit war die „Civilfeuerwehr“ für das Löschen verantwortlich.

Im Februar 1878 wurde der Kaufvertrag für die 2-Rad-Abprotzspritze zwischen der Firma Carl Metz in Heidelberg und der Gemeinde Muttenz unterschrieben. Die Bezahlung des Betrages in Höhe von ca. 1’700 Gulden wurde aber erst nach mehreren Probeeinsätzen, welche den Anforderungen entsprochen haben, bezahlt. Diese noch heute im Besitz der Feuerwehr Muttenz befindliche Handdruckspritze stand bis ins Jahr 1943 (Brand Weiherhof) im Einsatz.

Im März 1878 beschlossen einige Initianten die Gründung eines Pompiercorps in Muttenz voranzutreiben und bildeten eine Gründungskommission. An der ausserordentlichen Sitzung des Gemeinderates vom 8. Mai 1878 wurde die hiesige Feuerwehr zum Beitritt in den Basellandschaftlichen Feuerwehrverein eingeladen und bereits im August desselben Jahres kam es dann zur Gründungsversammlung, also zum Grundstein der heutigen Feuerwehr.

Aus dem 1. Feuerwehr-Reglement der Gemeinde Muttenz, datiert vom 2. September 1878, sind folgende „Original-Rosinen“ erwähnenswert:

Die Einnahmen des Pompiercorps bestehen in Strafgeldern, freiwilligen Beiträgen und Geschenken, dieselben dürfen nur zu Dienstzwecken verwendet werden

Verhaltungsmassregeln: Bricht im Gemeindebann Feuer aus, so wird mit allen Glocken sofort gestürmt; die Feuerreiter eilen sofort auf den Brandplatz um vom Gemeinderat die nötigen Befehle entgegenzunehmen. Die gesamte Feuerwehr eilt mit den ihr zugeteilten Löschgerätschaften sofort auf den Brandplatz und hat auf dem Posten zu verbleiben bis dem Feuer vollständig Einhalt getan ist

Ausserhalb des Gemeindebannes vorkommende Feuerausbrüche werden signalisiert, indem ungefähr 3 bis 5 Minuten mit der kleinsten Glocke geläutet wird, worauf erst das eigentliche Sturmläuten erfolgt.

Erquikungen bei einem Brande im Dorfe teilt der Gemeinderat aus, hat jedoch immerhin auf die Arbeitsleistung der Mannschaft Rücksicht zu nehmen

Jeder Pompier oder Feuerwehrmann, der bei einer Übung fehlt, wird mit Fr. 1.— bestraft. Trifft er erst nach dem Verlesen ein, so verfällt er in eine Strafe von 30 Cts. Wer nach einer halben Stunde der festgesetzten Zeit erscheint, wird als fehlend betrachtet

Am 26. April 1879 wurde um 22.30 Uhr eine Alarmübung durchgeführt. Sinn dieser Alarmübung war die Einsatzfähigkeit bei einem Ernstfall. Die damaligen „pager“ (sprich Trompeter) gaben in allen Gassen Alarmsignale und kaum 7 Minuten später waren mit Ausnahme von 5 Mann sämtliche Pompiers ausgerüstet beim Spritzenlokal versammelt. Nach kurzer Ansprache durch den Hauptmann wurde das Corps sofort wieder entlassen.

Der 1. grössere Einsatz geht auf das Jahr 1880 zurück, wo am 29. Oktober um 3 Uhr nachmittags Feuer auf dem Nebenhof Obersulz ausbrach und der Pompiereinsatz bis um 22.00 Uhr dauerte.

Aufgrund eines tragischen Brandfalles vom 25. November 1899 auf der Schanzenau (heute Hotel Schänzli) wurde die Feuerwehr Schänzli als Unterabteilung der Feuerwehr Muttenz gegründet. Die Existenz dieser Truppe war jedoch von kurzer Dauer, denn mangels Disziplin von Seiten der Mannschaft und Führung musste sie nach kurzer Zeit wieder aufgelöst werden.

Im Herbst 1949 konnte das 1. Motorfahrzeug Studebaker (heute liebevoll „Grossmutter“ genannt) von den Offizieren und den inzwischen ausgebildeten 12 Fahrern mit Stolz entgegengenommen werden. Genau 2 Jahre später konnte das heutige Magazin bezogen werden.

In den letzten Jahren hatte die Feuerwehr Muttenz zahlreiche Ereignisse zu bewältigen, wobei hier nur einige erwähnt seien: Brände im Kieswerk Sutter (1963), Werkhof der Firma Hunziker und Möbelfabrik Leugger (1964), Grastrocknungsanlage (1966), Waldhaus und Hauptstrasse 64 (1969), Garage Stebler (1970), Güterschuppen SBB (1971), Moser-Glaser (1974), Rest. Römerburg (1975) und Schweizerhalle (1986) sowie TU, Meyer-Spinnler und Freuler (1996). Ferner wurde sie zu unzähligen Pionier- und Rettungseinsätzen gerufen, dessen Erwähnung ins Unermessliche führen würde.

In den Jahren 1975 und 1976 wurde die Feuerwehr zu 73, resp. 86 Einsätzen gerufen. In den Jahren 1995 und 1996 wurden die Alarmfälle bereits auf 226, resp. 167 gesteigert. Bedingt durch einen modernen Fahrzeug- und Materialpark, welchen die Feuerwehr in den letzten Jahren kontinuierlich ausbauen konnte, ist sie jederzeit bereit, auch grössere Ereignisse zu bewältigen. Der Einsatz ist jedoch nur durch den enormen Opferwillen und die uneigennütze Bereitschaft des Kaders und der Mannschaft, rund um die Uhr für die Sicherheit der Bevölkerung da zu sein, gewährleistet. Obwohl der Zeitaufwand (oberes Kader: bis ca. 500 Std./Jahr) ins grenzenlose führt, bleibt die Feuerwehr Muttenz weiterhin eine Miliz-Feuerwehr. Unter Miliz-Feuerwehr verstehen wir, dass jeder Angehörige der Feuerwehr hauptberuflich einer geregelten Arbeit nachgeht und im Alarmfalle am Tage seinen Arbeitplatz verlassen muss. An dieser Stelle sei allen Firmen gedankt, welche ihre Angestellten für die Sicherheit in der Gemeinde Muttenz freistellen. Unser Motto heisst auch: „Unsere Freizeit für Ihre Sicherheit“. Die fehlende Arbeitszeit holen wir selbstverständlich in Überstunden nach, denn unsere Arbeit bleibt während dem Einsatz liegen.

Am 1. Januar 1997 wurde die Feuerwehr Muttenz zur Stützpunkt-Feuerwehr Muttenz. Als eine der grössten und modernsten Feuerwehren im Kanton Basel-Landschaft können wir als Stützpunkt-Feuerwehr im Ereignisfalle nebst dem Stützpunktkreis (Augst, Birsfelden, Pratteln), auch auf dem gesamten Kantonsgebiet der beiden Basel eingesetzt werden. Ferner erstreckt sich unser Einsatzgebiet im Gemeindebann Muttenz, über das Industriegebiet Schweizerhalle bis hin zu den Tanklagern im Auhafen. Um einen optimalen Einsatz zu gewährleisten, sind wir auf einen Bestand von 65 - 85 aktiven Feuerwehrleuten angewiesen. Zur Zeit leisten in der Stützpunkt-Feuerwehr Muttenz 6 Frauen und 65 Männer mit grosser Freude, viel Enthusiasmus und Gewissenhaftigkeit ihren Dienst.

Der Schutzpatron in Feuers- und Wassernöten und zum Schirmherrn aller Feuerwehr wurde der heilige Florianus erkoren. Zur Zeit von Julius Cäsar hiess der seinerzeitige Legionärsführer und „Siphonarius“ der Feuerwehr-Kohorte (Feuerwehrkommandant) Florianus. Eines Tages wurde die letzte grosse Christenverfolgung angeordnet. Er selbst Sympathisant des Christentums erhielt die Weisung: sofort 40 christlich gesinnte Legionäre zu verhaften. Stattdessen verhalf er seinen Glaubensbrüdern zur Flucht, was zu seinem eigenen Todesurteil führte. Im Jahre 304 wurde er mit einem Mühlstein am Hals über eine Brücke gestossen und so in der Enns ertränkt. Später wurde er als christlicher Märtyrer heiliggesprochen. Alljährlich wurde nun der 4. Mai als Floriantag gefeiert und mit einem Opfergang verbunden. Das Schutzbedürfnis war oft so gross, dass der menschenfreundliche Spruch entstand: „Lieber Heil’ger Florian, beschütz mein Haus, Zünd’ andre an!“